Handbuch der
Unterstützten
Kommunikation

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Vorworte

Die Menschheit zur Freiheit bringen, das heißt, sie zum Miteinander reden bringen.
Karl Jaspers

Fünf Jahre „Handbuch der Unterstützten Kommunikation“

Seit seinem ersten Erscheinen auf dem Fachbuchmarkt im Jahre 2003 hat sich das „Handbuch der Unterstützten Kommunikation“ als bedeutsames Nachschlagewerk für die unterschiedlichsten Facetten des Fachgebietes der UK etabliert.
Konzipiert als Loseblattsammlung, die immer wieder aktualisiert und ergänzt werden kann, erfüllt das Handbuch dabei ganz unterschiedliche Funktionen
Die Leserinnen und Leser können sich schnell einen Überblick über das Fachgebiet verschaffen, sie können sich in einzelne Teilaspekte der UK vertiefen, sie erhalten sowohl ein solides, theoretisch fundiertes Basiswissen, als auch konkrete Praxisanleitungen zur Umsetzung von UK in unterschiedlichsten Handlungsfeldern und sie werden sozusagen „vernetzt“. Durch die ständige Aktualisierung von Adressen von Beratungsstellen, Vereinen, Verbänden und Arbeitskreisen sowie Hilfsmittelherstellern und Lieferanten ermöglicht das Handbuch immer einen schnellen Zugriff auf wichtige Daten. Es erleichtert damit vielfältige Rechercheaufgaben ungemein, und es ermöglicht Interessierten, unproblematisch Kontakte aufzunehmen. Nicht zuletzt liefert das „Handbuch der Unterstützten Kommunikation“ ganz konkrete praktische Hilfen, wie beispielsweise Informationen zur Finanzierung von Kommunikationshilfsmitteln und Hinweise für die Antragspraxis.

Mit Fug und Recht kann meiner Ansicht nach dieses Gemeinschaftsprojekt des von Loeper Literaturverlages und von ISSAC − Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. als Erfolgsmodell bezeichnet werden, denn die ursprüngliche Konzeption hinsichtlich einer Balance zwischen Qualität und Aktualität wurde konsequent beibehalten.
Seit dem Jahre 2004 haben erfahrene Anwenderinnen und Anwender, Forscherinnen und Forscher jährlich ihre Erkenntnisse und Erfahrungen aus Theorie und Praxis in interessanten Beiträgen formuliert. Nahezu 100 Autorinnen und Autoren haben im Verlauf der letzten 4 Jahre damit am Entstehen des Handbuches in seiner heutigen Form mitgewirkt, eine wie ich meine überaus beachtenswerte Zahl, die die gewachsene Bedeutung der Unterstützten Kommunikation in den deutschsprachigen Ländern unterstreicht. TherapeutInnen, LehrerInnen, PädagogInnen, PsychologInnen, ÄrztInnen, Eltern, unterstützt kommunizierende ExpertInnen in eigener Sache und ForscherInnen, d. h. AutorInnen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Unterstützten Kommunikation ermöglichen somit die Qualität und Themenvielfalt, die dieses Buch ausmacht.
Betrachtet man sich diese gewachsene thematische Vielfalt etwas genauer, so lassen sich einige Entwicklungen beschreiben.
Etliche Beiträge sind sehr praxisorientiert und wollen die Kreativität anregen, z. B. das Singen mit Gebärden, das Theater spielen mit MAKATON, das Musizieren mit elektronischen Kommunikationshilfen und die praktische Anleitung zur Raumbeschriftung mit Symbolen und Gebärden. Oder es werden unterschiedlichste Aspekte der Ansteuerung beschrieben, wie die Beiträge, die den Bogen von nicht-elektronischen „Blicktafeln“ bis hin zur technisch ausgereiften elektronischen Augensteuerung spannen.
Andere Artikel greifen theoretische Konzepte oder Gedankengänge auf und diskutieren ihre Bedeutsamkeit für die UK, wie die Beiträge zur Bedeutung des Fiktionsspiels für die Sprachaneignung, zu den Zusammenhängen von geistiger Entwicklung und Gebärden und zu einer alternativen Sichtweise in der Betrachtung so genannter „behinderter“ Menschen.
Die gewachsene Vielfalt zeigt sich auch hinsichtlich des UK-Einsatzes für bestimmte Altersgruppen, z. B. in den Beiträgen zur Bedeutung des Vorlesens für die frühe Förderung unterstützt kommunizierender Kinder oder zum Einsatz von UK im Wohnbereich mit Erwachsenen mit mehrfachen Schädigungen.
Im Bereich „Schule“ spiegelt eine Bandbreite von Themen die Facetten des Schulalltags wider: Es wurden Empfehlungen für die Umsetzung eines UK-Konzeptes an Schulen veröffentlicht, ein Beitrag zum Fremdspracherwerb, zu den Qualifikationen der „Schulbegleitung“ und auch ein Beitrag über den Einsatz von Therapiehunden als Kommunikationshelfer.
Viel getan hat sich in den letzten Jahren im Bereich „Beruf und UK“. Praktiker und Experten in eigener Sache berichteten von der Unternehmensplanung in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung und von der eigenen Berufstätigkeit in einer Postservicestelle und als UK-Berater in der Schule.
Nicht nur an dieser Stelle informierten Experten in eigener Sache über ihre Erfahrungen mit Unterstützter Kommunikation. In den Nachlieferungen erschienen auch Beiträge unterstützt kommunizierender Personen über den Umgang mit BLISS- und Boardmaker-Symbolen und über das selbstständige Leben in einer eigenen Wohnung. Auch Eltern berichteten aus ihrer Methoden- und Erfahrungsvielfalt, die das Leben in einer Familie mit unterstützt kommunizierenden Kindern prägt.
Aktuell ergänzt wurden in den letzten Jahren das Themengebiet „Diagnostik“ durch die Vorstellung diagnostischer Verfahren, wie der „Sozialen Netzwerke“ oder sprachtherapeutischer Diagnostik, sowie das Themengebiet „Therapie“ mit Beiträgen zum UK-Einsatz bei Menschen mit einer Sehschädigung, mit Rett-Syndrom, mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) und über den Zusammenhang zwischen Ergotherapie und UK.
Innerhalb der vergangenen Jahre hat sich auch der Bereich „UK-Beratung“ weiter entwickelt. So konnte den Leserinnen und Lesern, u. a. ein „Kommunikationsprofil“ als Erhebungsinstrument zur Verfügung gestellt werden und ein Artikel zu den „Aufgabenfeldern von UK-Beratungsangeboten“ informiert nun über neue Forschungserkenntnisse.
Gerade dem Bereich der Forschung wurde dabei erfreulicherweise steigende Beachtung geschenkt, was durch Beiträge zu unterschiedlichen Forschungsmethoden (kontrollierte Einzelfallforschung, Hermeneutik), zu methodischen Zugängen zur evidenzbasierten Sprachtherapie und durch Beiträge zur Entwicklungsgeschichte, den wissenschaftlichen Aufgaben der UK und der Entwicklung von UK-Theorien dokumentiert wird.
Zu guter Letzt gab es in den letzten Jahren aktuelle Berichte aus der Aus- und Weiterbildung, wie im Hinblick auf integrative Konzepte, über Fortbildungen von Experten in eigener Sache und von UK-MultiplikatorInnen sowie neue, online gestützte Fortbildungsmaßnahmen.
Wagen wir einen Blick in die Zukunft? Wie könnte sich das Handbuch der Unterstützten Kommunikation weiterentwickeln?
Zunächst einmal können sich meiner Ansicht nach die Verantwortlichen des von Loeper Literaturverlages und von ISAAC - Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. ermutigt fühlen, konsequent die Konzeption dieses umfangreichen Nachschlagewerkes weiterzuverfolgen. Aktuelle Entwicklungen müssen regelmäßig aufgegriffen und bearbeitet werden. Die fachliche Qualität der Beiträge muss gesichert bleiben und die Interdisziplinarität zwischen Theorie und Praxis, zwischen Forschung und Anwendung muss weiterhin Priorität haben.
Wenn es dann noch gelingt, unterstützt kommunizierende Personen und ihre Familien zu motivieren, Beiträge aus ihren spezifischen Lebenswelten und zu ihren Themenschwerpunkten zu verfassen, dann wird sich die Erfolgsgeschichte des Handbuches fortsetzen.
Als Vorsitzender von ISAAC - GSC möchte ich an dieser Stelle den vielen Autorinnen und Autoren und der Expertenrunde für ihre Mitwirkung an der Weiterentwicklung des Handbuches danken. Ganz besonders bedanke ich mich bei den Verantwortlichen des von Loeper Literaturverlages für ihre unermüdliche und versierte Suche nach neuen oder zu überarbeitenden inhaltlichen Schwerpunkten und für die damit verbundenen vielfältigen Aufgaben. Außerordentlicher Dank gebührt schließlich und endlich den „HdUK-Beauftragten“ von ISAAC, Frau Conny Pivit, Frau Monika Hünig-Meier und Herrn Horst Konrad, die im Sinne des Vereines für die Überprüfung der fachlichen Qualität der Beiträge verantwortlich zeichnen.

Dr. Andreas Seiler-Kesselheim
1. Vorsitzender
ISAAC - Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V.